Zwei Tage Auerhahn – der ultimative Tipp
Zwei Tage nur. Und doch fühlte es sich an wie ein ganzes Kapitel. Zeit und Raum begannen zu fliessen – wie Tau im Morgengrauen über dem Schluchsee. Das Hotel Auerhahn hat um- und neugebaut – und wie. Ein Geheimtipp für das perfekte Weekend nicht weit von Zürich.
Text und Fotos: Antje-Katrin Schaniel – The Business Class Magazin. Ich kam aus Zürich – 90 Minuten Fahrt, eine überschaubare Strecke. Aber was mich erwartete, war mehr als ein Hotel. Es war ein Rückzugsort mit Haltung, mit Herz – und mit Humor. Der Auerhahn liegt eingebettet zwischen See, Wald und Weite. Kein Ort, der sich in Szene setzt. Sondern einer, der wirkt. Sanft, still, selbstbewusst.

«Schwarzwald neu erleben» – klingt nach Broschüre. Doch hier ist es echt. Es beginnt mit dem Ankommen – und hört auch beim Auschecken nicht auf.

Ein Haus mit Haltung. Seit 1774 ist der Auerhahn in Familienbesitz. Ein Haus mit Rückgrat. Von 1990 bis 2020 verpachtet, dann – mitten in der Pandemie – zurückgeholt von Marius Tröndle. 29 Jahre jung war er, als er dieses Abenteuer begann. Kein Aussteigertraum, sondern echtes Unternehmertum. Kein Businessplan, sondern ein innerer Kompass: den Schwarzwald respektvoll ins Heute holen.

Drei Jahre und sechs Monate wurde renoviert – unter schwierigen Bedingungen. Pandemie. Lieferketten. Krieg. Und doch: Das Ergebnis steht da wie ein Statement. Alte Balken, natürliche Materialien, CO₂-neutrale Technik. Echte Nachhaltigkeit, ganz ohne Greenwashing. Marius Tröndle begegnet einem nicht als Manager. Sondern als Mensch. Offen, klug, wach. Ich hatte das Gefühl: Er lebt dieses Haus. Und das Haus lebt durch ihn.

Zwischen Kaminfeuer und klaren Linien. 58 Zimmer und Suiten. Und keines davon beliebig. Holz, Stein, Stoffe, Farben – alles atmet. Alles hat Ruhe. Kein alpiner Kitsch. Kein Möchtegern-Design. Sondern Räume, in denen man sich fallen lassen kann.


Das Spa? Ein leiser Luxus. Kein Protz. Sondern Tiefe. 1000 Quadratmeter Entspannung: Bio-Sauna, japanisches Dampfbad, Solebecken mit Unterwassermusik. Yogaraum mit Blick in die Baumwipfel.
Hier wird nichts überinszeniert – und gerade das berührt. Das Team? Jung, frech, aufmerksam, echt. Ich fühlte mich gesehen – nicht bedient. Das macht einen grossen Unterschied.

«Tradition. Leidenschaft. Nachhaltigkeit.» Und am Herd: ein Mann mit Haltung. Yann Bosshammer – für mich das kulinarische Herz dieses Hauses. Anfang dreissig, Elsässer, mit einem Blick, der mehr sieht als Zutaten. Ich habe selten einen Koch erlebt, der so viel Tiefe, aber so wenig Ego mitbringt.

Yann hat in Sterneküchen gelernt – doch er kocht heute nicht für Sterne. Sondern für Menschen. Für Aromen. Für Momente. Seine Küche ist nicht laut – sie erzählt leise Geschichten. Und bleibt dabei lange im Gedächtnis.

Er kocht mit dem, was die Region ihm gibt: Wild aus eigener Jagd, Gemüse vom Demeterhof, Fisch aus dem Schwarzwald. Und Brot, das nach echtem Sauerteig schmeckt. Ich erinnere mich an die gegrillte Karotte mit rosa Pfeffer würzig, überraschend. Ein vegi Gericht das nach vielen mehr schreit.


Oder an die Felsen Auster mit Fenchel und Zitrone, so zahrt so schön mit einm schlückchen Champagner. Die geschmorte Lammkeule ein Gedicht. Diese Küche macht einfach: glücklich.
Yann ist kein Showkoch. Er ist ein Erzähler – mit Messer, Pfanne und Herz. Er sagte zu mir: «Ich möchte, dass man sich an ein Gericht erinnert, weil es etwas auslöst. Etwas Echtes – wie ein Lied aus der Kindheit.» Und genau so war es.


Der Kuchenwagen – Schwarzwald zum Dahinschmelzen. Und dann – wie aus einem alten Film – rollt er herein: der Kuchenwagen. Ich war nicht vorbereitet. Und vielleicht gerade deshalb sofort verliebt. Ein leuchtendes Silbertablett der süssen Versuchung: Die wohl beste Schwarzwälder Kirschtorte, die ich je gegessen habe. Kein Zuckerbombe-Kompromiss – sondern ein echtes Stück Heimat: saftig, schokoladig, mit echtem Kirschwasser.


Daneben: cremiger Käsekuchen, Birnentarte, Mohnstrudel, Nusskuchen, Zwetschgendatschi – je nach Saison. Alles hausgemacht. Alles ehrlich. Ich fühlte mich zurückversetzt – an Küchentische meiner Kindheit, an Kaffeestunden mit Oma. Der Wagen steht nicht nur für Genuss. Er steht für Erinnerung. Für Geborgenheit.

Die Umgebung – Natur als Nachbar. Der Auerhahn liegt nicht nur im Schwarzwald – er lebt mit ihm. Direkt vor der Tür: der Schluchsee. Tief, kühl, klar. Ideal für Schwimmen, SUP, Sonnenuntergang. Ein paar Schritte weiter: Moore, Wälder, Stille. Im Winter: Loipen, Schneeschuhpfade, Skitouren. Im Sommer: Wandern, Radeln, Durchatmen.

Das Dorf Schluchsee? Kein Touristenklischee. Sondern echt. Bäcker, Kirche, alte Bauernhäuser. Hier sagt man noch «Grüss Gott» – und meint es. Fazit: Das ist Ort, der bleibt. Der Auerhahn ist kein Hotel zum Angeben. Sondern ein Ort zum Ankommen. Kein Konzept mit Glitzerfolie – sondern eine Einladung, sich zu spüren.
Zwei Tage haben mir gereicht, um aufzutanken. Um zu staunen. Um mich zu erinnern, wie sich echte etwas freche ehrliche Gastfreundschaft anfühlt. Hier beginnt etwas Neues. Und Altes lebt darin weiter – verspielt, kraftvoll, aufrichtig.
Der Auerhahn ist mehr als ein Ort. Er ist ein Gefühl. Und ich werde wiederkommen. Warum? Da es jetzt noch die ganz neue Brasserie Barbara mit ihrem 250g TaRtar, Pommes und Champagner zu testen gilt und jeder der mich kennt, weiss das ich dafür schon fast zurück rennen würde.

Die Weine im Auerhahn – ein Statement für sich. Eine Auswahl.












