«Wir wollen Payment wieder einfach, transparent und persönlich machen»
Mit Aduno Pay tritt ein neuer Schweizer Anbieter im stark konsolidierten Payment-Markt an. CEO Marco Casagrande spricht im Interview über komplizierte Gebührenmodelle, fehlende Transparenz, persönlichen Support aus der Schweiz und die Wechselbereitschaft vieler KMU. Zudem erklärt er, welche Rolle die Schweizerische Post spielt und warum Instant Payment am Point of Sale den Markt verändern könnte.
The Business Class Magazine – mm
Marco Casagrande, warum braucht der Schweizer Payment-Markt gerade jetzt einen neuen Anbieter wie Aduno Pay?
Der Schweizer Markt hat sich stark konsolidiert. Händler erleben weniger Wettbewerb, mehr Komplexität und sinkende Servicequalität. Zahlreiche Gespräche mit Händlerinnen und Händlern zeigen uns zudem: Die aktuellen Branchenentwicklungen verunsichern sie und viele suchen aktiv eine verlässliche, in der Schweiz ansässige Alternative. Aduno Pay tritt an, weil wir eine vollintegrierte, lokal verankerte Lösung bieten. Unser Anspruch ist, Payment wieder einfach, transparent und persönlich zu machen. Der Name Aduno steht sinnbildlich dafür: Aus dem Lateinischen abgeleitet bedeutet er sinngemäss «zusammenführen».

Sie sagen, dass Bezahlsysteme für viele Schweizer Unternehmen zu kompliziert geworden sind. Wo liegen aus Ihrer Sicht heute die grössten Probleme für KMU?
KMU wollen wirtschaften, nicht Payment‑Experten sein. In der Realität haben Händler mehrere Ansprechpartner, Verträge und Abrechnungen. Dazu unterschiedliche Gebührenmodelle und Systeme, die nicht zusammenspielen. Das ist belegt: Laut einer Händlerbefragung der Universität St. Gallen und der ZHAW zum bargeldlosen Zahlungsverkehr empfinden über 50 Prozent der Schweizer Händler den Zugang zu Informationen rund um ihre eigenen Transaktionen als schwierig. Nur 3 Prozent finden die Transparenz der Kostenstrukturen gut. (Quelle)
Was kann man da machen?
Die Politik reagiert: Seit Anfang 2024 fordern mehrere parlamentarische Vorstösse mehr Transparenz und fairen Wettbewerb im Acquiring-Markt. Wir wollen diese Komplexität reduzieren: Händler sollen auf einen Blick verstehen, was sie bezahlen und an wen sie sich wenden können, wenn etwas nicht funktioniert.
Aduno Pay verspricht mehr Transparenz bei Gebühren und Verträgen. Was bedeutet das konkret für einen Unternehmer, der heute mit einem etablierten Anbieter arbeitet?
Viele Händler wissen nicht genau, wie hoch ihre effektiven Payment-Kosten sind. Grosse, international gesteuerte Anbieter erklären lieber, aus wie vielen Bestandteilen sich eine Gebühr zusammensetzt. Für Händler bringt das wenig: Sie wollen nicht die Anatomie einer Rechnung verstehen, sondern wissen, was am Ende effektiv auf ihrem Konto wann ankommt. Deshalb haben wir einen KI-gestützten Angebotsvergleich entwickelt. Eine Unternehmerin lädt ihre bestehende Abrechnung oder Offerte hoch, unsere Lösung analysiert die Kostenstruktur und stellt sie unserem Angebot direkt gegenüber. Transparenz bedeutet für uns aber mehr als ein tieferer Preis auf dem Papier. Über unser Merchant-Portal sehen Händler jederzeit, welche Gebühren angefallen sind und wann ihr Geld ausbezahlt wird.
Persönlicher Support direkt aus der Schweiz ist ein zentraler Bestandteil Ihres Angebots. Ist dieser lokale Kundenservice heute tatsächlich ein entscheidender USP gegenüber den grossen internationalen Payment-Anbietern?
Ja, besonders bei geschäftskritischer Infrastruktur: Wenn am Samstagabend keine Zahlungen mehr funktionieren, hilft eine anonyme Support-Struktur im Ausland wenig. Unsere Kundinnen und Kunden erreichen Menschen in der Schweiz, die unser Produkt kennen. Gleichzeitig lösen wir viele Probleme direkt per Remote-Support, ohne dass jemand vor Ort ausrücken muss. Service heisst für uns: Modernste Technologie kombiniert mit alter Schule beim Service.
In welchen Branchen erleben Sie derzeit die grösste Unzufriedenheit mit den bestehenden Payment-Lösungen und warum gerade dort?
Besonders stark spüren wir die Unzufriedenheit in der Gastronomie und bei kleineren und mittleren Detailhändlern wie Coiffeuren, Beauty-Betrieben, Bäckereien oder lokalen Dienstleistern. Dort treffen hoher Kostendruck, viele Kartentransaktionen und eine starke Abhängigkeit vom funktionierenden Zahlungssystem aufeinander. In der Gastronomie kommt die Integration mit dem Kassensystem hinzu: Händler wollen nicht Kasse, Zahlterminal und Zahlungsverarbeitung bei unterschiedlichen Anbietern koordinieren. Im Detailhandel sehen wir häufig ältere Terminalinfrastrukturen und den Wunsch nach moderneren Lösungen. In der Schweiz müssen bis Ende 2027 über 100’000 Zahlterminals ersetzt werden. Für viele Händler ist das der Moment, den Anbieter neu zu evaluieren, statt einfach nur ein Gerät auszutauschen.
Welche Unternehmen wollen Sie zunächst gewinnen: kleinere KMU, grosse Händler, Gastronomie oder bestimmte Branchen?
Unser Fokus liegt auf KMU in Retail, Gastronomie und Dienstleistungen weil hier die Bedürfnisse klar und die Wechselbereitschaft hoch sind, wenn ein konkreter Mehrwert erkennbar ist. Parallel bauen wir Partnerschaften mit Banken und Vertriebspartnern auf und planen Pilotprojekte mit grösseren Schweizer Unternehmen. Unsere Plattform funktioniert vom Einzelunternehmen bis zu grossen Filialstrukturen
Der Markt für Payment-Lösungen ist stark umkämpft. Wie wollen Sie Unternehmen überzeugen, ihren bestehenden Zahlungsanbieter tatsächlich zu wechseln?
Ein Händler wechselt nicht wegen eines neuen Logos, sondern wenn er einen messbaren Vorteil sieht: Bessere Konditionen, weniger Komplexität, bessere Technologie. Ebenso wichtig: Der Wechsel selbst muss einfach sein. Deshalb haben wir das Onboarding radikal vereinfacht. Die Hürde für einen Wechsel soll so tief wie möglich sein.

Mit der Schweizerischen Post haben Sie einen prominenten Investor an Bord. Welche Rolle spielt die Post strategisch beim weiteren Aufbau von Aduno Pay?
Die Beteiligung der Schweizerischen Post ist für uns zunächst ein starkes Vertrauenssignal. Payment ist ein reguliertes und technologisch anspruchsvolles Geschäft. Ein institutioneller Investor mit langfristigem Horizont ist für ein junges Unternehmen deshalb wertvoll. Die Post gibt uns dabei keine operative Richtung vor. Wir führen Aduno Pay als unabhängiges Unternehmen. Gleichzeitig profitieren wir vom Austausch und von der Erfahrung eines grossen Schweizer Konzerns.

Mit dem früheren Migros-CFO Jörg Zulauf als Verwaltungsratspräsidenten und Partners-Group-Veteran Felix Haldner haben Sie prominente Wirtschaftspersönlichkeiten an Bord geholt. Was bringen diese beiden konkret in die weitere Entwicklung von Aduno Pay ein?
Jörg Zulauf kennt die Perspektive grosser Schweizer Händler aus erster Hand. Da ist wertvoll, weil wir aduno.pay konsequent aus Händlersicht entwickeln, nicht aus reiner Technologiesicht. Felix Haldner bringt jahrzehntelange Erfahrung im Aufbau internationaler Unternehmen und eine ausgeprägte Investorenperspektive mit. Beides hilft uns, strategische Entscheidungen kritisch zu hinterfragen.
Wo soll Aduno Pay in drei bis fünf Jahren stehen: Wollen Sie primär die Schweizer Alternative zu internationalen Payment-Konzernen sein oder langfristig auch über die Schweiz hinaus expandieren?
Unser erster Fokus ist klar die Schweiz. Wir wollen hier zum renommiertesten und meistgeschätzten Acquirer für Händler und Banken gleichermassen werden. Mit technologisch cleveren Lösungen und echter Nähe zum Kunden entwickeln wir uns nachhaltig weiter. Bereits in diesem Herbst gehen wir den nächsten Schritt: Wir lancieren als erster Anbieter in der Schweiz, Instant Payment am Point of Sale. Für Händler ist das mehr als eine technische Neuerung . Es ist eine wirtschaftlich attraktive Alternative zu den bestehenden internationalen und nationalen Kartenbrands. Zahlungen laufen direkt von Konto zu Konto, ohne die Gebührenlogik der etablierten Kartensysteme. Das senkt die Transaktionskosten spürbar und macht Händler unabhängiger von den grossen Kartenanbietern. Eine Expansion in weitere europäische Märkte ist der logische nächste Schritt, sobald sich unser Modell in der Schweiz bewährt hat.
