Saudi Arabia is Building a New Automotive Industry
CEER zeigt seine ersten EXOBOT-Modelle – doch hinter 850 PS und Flügeltüren steckt eine viel grössere Geschichte
Saudi-Arabien präsentiert mit EXOBOT die ersten Fahrzeuge seiner nationalen Automarke CEER. 850 PS, bis zu 670 Kilometer angegebene Reichweite und ein Design, das eher nach Science-Fiction als nach industriellem Erstlingswerk aussieht. Doch entscheidend ist nicht das Auto allein. Saudi-Arabien versucht gerade, mit internationalem Know-how, enormem Kapital und einer eigenen Produktionsbasis eine Automobilindustrie aufzubauen.
Von Antje-Katrin Schaniel aka Senza
Noch vor wenigen Tagen stellte sich auf der IAA Transportation in Hannover eine Frage immer wieder: Wer baut heute eigentlich noch Fahrzeuge – und wer baut bereits Systeme?

In Saudi-Arabien könnte man diese Frage inzwischen erweitern: Wer baut ein Auto – und wer baut gleich eine ganze Industrie dazu?
Am 21. September 2026 enthüllte Kronprinz Mohammed bin Salman die ersten Fahrzeuge von CEER. EXOBOT heissen sie. Eine elektrische Limousine und ein SUV bilden den Auftakt einer geplanten Modellfamilie, die innerhalb der kommenden Jahre auf sieben Fahrzeuge wachsen soll.

Der Name CEER dürfte ausserhalb des Nahen Ostens bislang nur wenigen Autokäufern etwas sagen. Das könnte sich ändern. Denn hinter der jungen Marke steht nicht irgendein Start-up, sondern der saudische Public Investment Fund PIF – und damit ein zentraler Baustein der wirtschaftlichen Transformation des Königreichs.
From Oil to Horsepower
Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Erdölproduzenten der Welt. Nun investiert das Königreich Milliarden in eine Industrie, deren Zukunft zunehmend ohne Erdölprodukte als Treibstoff auskommen soll.

CEER wurde 2022 vom PIF gemeinsam mit Foxconn gegründet. Ziel ist der Aufbau einer eigenen saudischen Automarke und einer dazugehörigen industriellen Wertschöpfungskette. Dass ausgerechnet ein Elektronikriese wie Foxconn dabei eine zentrale Rolle spielt, zeigt gleichzeitig, wie sehr sich die Definition eines Automobilherstellers verändert hat.
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Beim EXOBOT trifft saudisches Kapital auf internationales Automotive-Know-how. CEER arbeitet unter anderem mit Technologiepartnern und Zulieferern aus etablierten Automobilmärkten zusammen. BMW hat Technologie für Fahrzeugkomponenten lizenziert, Rimac Technology ist bei elektrischer Antriebstechnik beteiligt, ebenso finden sich weitere internationale Zulieferer im entstehenden Netzwerk.
Das Ergebnis soll dennoch ausdrücklich ein saudisches Automobil sein: entwickelt, validiert und produziert im Königreich und mit einer wachsenden lokalen Lieferkette.
Genau darin liegt die industriepolitisch interessantere Geschichte.
Saudi-Arabien versucht nicht, sämtliche Technologien eines modernen Automobils neu zu erfinden. Stattdessen werden vorhandenes Know-how, internationale Zulieferer, Kapital, Produktion und lokale Talente zusammengeführt – mit dem Ziel, daraus möglichst schnell ein eigenes industrielles Ökosystem entstehen zu lassen.

850 horsepower. First attempt.
Bescheiden tritt CEER dabei nicht auf.
Sowohl die EXOBOT Limousine als auch der SUV werden mit 850 PS angegeben. Die Limousine soll in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, der SUV benötigt laut Hersteller 2,9 Sekunden.
Die angegebene Reichweite liegt bei bis zu 670 Kilometern für die Limousine und 560 Kilometern für den SUV. Allerdings basieren diese Werte auf dem NEDC-Zyklus und sind deshalb nicht unmittelbar mit den heute in Europa üblichen WLTP-Werten vergleichbar.
Auch die Dimensionen sind alles andere als zurückhaltend. Die Limousine misst 5,26 Meter, der SUV knapp über fünf Meter. Beide stehen auf einem Radstand von 3,20 Metern.

EXOBOT positioniert sich damit nicht als elektrisches Volksauto für den Einstieg in die Massenmotorisierung. CEER beginnt dort, wo sich neue Hersteller besonders wirkungsvoll inszenieren können: ganz oben.
Chief Design Officer Rob Melville bringt dafür entsprechende Erfahrung mit. Vor CEER arbeitete er unter anderem für McLaren. Seine Handschrift passt zum Anspruch des Projekts: grosse Flügeltüren, eine weitgehend fehlende klassische B-Säule, gewaltige Glasflächen und eine Silhouette, die mehr Concept Car als konservative Serienlimousine vermittelt.
Selbst kleine Details sollen saudische Identität transportieren. Die aus 32 Elementen bestehende Lichtsignatur verweist auf das Jahr 1932, das Gründungsjahr des Königreichs.
Der EXOBOT soll nicht aussehen wie ein importiertes Fahrzeug mit saudischem Logo.
Er soll aussehen wie Saudi-Arabien sich seine automobile Zukunft vorstellt.

The factory behind the car
Entscheidender als Flügeltüren und Beschleunigungswerte ist deshalb der Ort, an dem EXOBOT entstehen soll.
CEER baut in King Abdullah Economic City seinen eigenen Manufacturing Complex. Das Unternehmen bezeichnet die Anlage als grösste Automobilproduktionsstätte im Nahen Osten und als eine der technologisch fortschrittlichsten weltweit.
Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einem weiteren spektakulären Elektroauto-Projekt und einer langfristigen Industriestrategie.
Saudi-Arabien möchte nicht lediglich Fahrzeuge importieren, finanzieren oder unter eigenem Namen verkaufen. Ein wachsender Teil der Wertschöpfung soll im Land stattfinden. Internationale Zulieferer werden eingebunden, Investitionen angezogen und Arbeitsplätze sowie technisches Know-how lokal aufgebaut.

CEER selbst erwartet, bis 2034 rund 8 Milliarden US-Dollar zum saudischen Bruttoinlandprodukt beizutragen, die Handelsbilanz um rund 21 Milliarden US-Dollar zu verbessern und direkte sowie indirekte Arbeitsplätze zu schaffen.
Das sind Unternehmensprognosen und noch keine erreichten Resultate. Sie zeigen aber die Dimension, in der Saudi-Arabien das Projekt betrachtet.
EXOBOT ist kein einzelnes Automobilprojekt.
Es ist Industriepolitik auf Rädern.
Seven cars, several technologies
Bemerkenswert ist auch, dass CEER langfristig offenbar nicht ausschliesslich auf batterieelektrische Fahrzeuge setzt.
EXOBOT startet elektrisch. Das geplante Portfolio soll jedoch verschiedene Fahrzeuggrössen und unterschiedliche Antriebsarten umfassen. Berichten zufolge gehören dazu neben batterieelektrischen Modellen auch hybride und konventionell angetriebene Fahrzeuge.

Damit unterscheidet sich CEER von zahlreichen jungen Automarken, die ihre Identität vollständig um den elektrischen Antrieb aufgebaut haben.
Die Strategie wirkt pragmatischer: Erst eine Automobilmarke und eine Industrie aufbauen – und verschiedene Technologien anbieten, wenn Markt und Kundschaft sie verlangen.
Zunächst konzentriert sich CEER auf Saudi-Arabien und die Region. Gleichzeitig sollen die Fahrzeuge nach internationalen Standards entwickelt werden und damit grundsätzlich die Voraussetzung für eine spätere Expansion in weitere Märkte schaffen.
An automotive ecosystem
CEER steht dabei nicht allein.
Der PIF investiert seit Jahren in den Aufbau eines saudischen Automotive-Clusters. Auch Lucid Motors, an dem der Staatsfonds massgeblich beteiligt ist, produziert bereits Fahrzeuge in King Abdullah Economic City.
Damit entsteht etwas, das für etablierte Autonationen selbstverständlich wirkt, für Saudi-Arabien jedoch neu ist: ein Cluster aus Herstellern, Produktionsanlagen, internationalen Zulieferern, Ingenieuren, Technologiepartnern und zunehmend lokalem Know-how.
Genau deshalb sollte Europa beim Blick auf EXOBOT nicht nur über 850 PS, Reichweite oder ungewöhnliche Türen sprechen.
China hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich die industrielle Geografie der Automobilwelt verändern kann, wenn Kapital, politische Strategie, Skalierung, Technologie und eine lokale Lieferkette zusammenkommen.
Saudi-Arabien startet von einer anderen Ausgangslage und in einer anderen Grössenordnung. Ob daraus tatsächlich ein international relevanter Automobilstandort entsteht, lässt sich heute noch nicht beantworten. Produktion, Stückzahlen, Qualität, Kosten, Nachfrage und internationale Wettbewerbsfähigkeit müssen erst bewiesen werden.
Aber die Ambition ist unübersehbar.

The bigger question
Vielleicht ist der EXOBOT deshalb gerade wegen seiner Übertreibung das richtige erste Auto. Eine unauffällige Mittelklasselimousine hätte gezeigt, dass Saudi-Arabien ein Auto produzieren kann. Ein 850-PS-Elektroauto mit Flügeltüren soll zeigen, dass das Königreich in einer neuen Industrie wahrgenommen werden will.
Auf der IAA Transportation lautete die Frage noch: Wer baut Fahrzeuge – und wer baut Systeme?
Nach der Präsentation des EXOBOT kommt eine weitere hinzu: Was passiert, wenn ein Land nicht jahrzehntelang eine Automobilindustrie entwickelt, sondern versucht, Kapital, Technologie, Produktion und internationales Know-how gleichzeitig zusammenzubringen?
CEER wird diese Frage nicht mit einer Präsentation beantworten können.
Sondern erst mit Autos, die tatsächlich vom Band rollen.
EXOBOT ist deshalb weniger die Antwort als der Anfang eines ziemlich grossen Experiments.

About Senza
Antje-Katrin Schaniel ist eine Schweizer Autorin, Fotografin und Content Creatorin und Social Storytellerin aus Zürich; ursprünglich aus Graubünden. Unter dem Namen @senzcamedi teilt sie auf Instagram seit 2018 Inhalte rund um Luxury Travel, gehobene Gastronomie, Fashion, Beauty, Drives und Lifestyle. Ihr Fokus liegt darauf, besondere Orte, Kulinarik und Erlebnisse visuell hochwertig und atmosphärisch einzufangen. Senza positioniert sich im Premium-Segment von Instagram – mit einem editorialen, fast magazinartigen Ansatz. Ihre Inhalte wirken kuratiert, ruhig und hochwertig, was sie von klassischen, stärker werblichen Profilen stark unterscheidet.

Senzas Stil folgt dem Prinzip «Luxury isn’t loud» – sie inszeniert Luxus subtil, emotional und über Atmosphäre statt über reine Statussymbole. Die ausgebildete Lokführerin versteht sich nicht als Influencerin, sondern als Geschichtenerzählerin, die Reisen, Orte und Erlebnisse in narrative Bilderwelten übersetzt. Neben High-End-Erlebnissen zeigt sie bewusst auch Natur, Tiere und ruhige Momente – ein Spannungsfeld zwischen Eleganz und Erdung.
Mit «SENZA» – und bald dem Magazin «DONNA Senza» baut die Chefredaktorin eine klare Markenidentität auf, die für ein Gefühl von Stil, Ruhe und bewusstem Genuss steht – weniger Konsum, mehr Erlebnis. Ihre Meinung vertritt sie pointiert – und stets mit klarer Haltung.