Raus aus der Black Box: Wie Technologie Private Equity und Wealth Management neu definiert
Private Equity gilt vielen Investoren noch immer als intransparente Black Box. Manuelle Prozesse, fragmentierte Daten und fehlende Übersicht erschweren Planung, Steuerung und fundierte Entscheidungen. Im Gespräch mit der UnternehmerZeitung erläutern Kai Linde, Co-Founder und CEO von QPLIX, sowie Sener Arslan, Regional Director Switzerland, warum technologische Transparenz zum entscheidenden Faktor wird, wie Digitalisierung und Regulierung zum Wettbewerbsvorteil werden können und weshalb die Zukunft des Wealth Managements datengetrieben, automatisiert und dennoch persönlich bleibt.
Von Matej Mikusik
Private Equity gilt in vielen Portfolios noch immer als «Black Box». Warum ist das aus Ihrer Sicht bis heute so – und was läuft dabei konkret schief?
Kai Linde: Die Illiquidität, lange Haltedauern und heterogene Datenquellen machen die Steuerung dieser Assetklasse sehr komplex. In der Realität sieht es häufig so aus: Commitments werden manuell in Excel erfasst, Capital Calls erreichen den Investor in Form mehrseitiger PDF-Dokumente und die NAV-Reports des Quartals müssen mühsam aus E-Mails in Tabellen übertragen werden. Dadurch entsteht ein hoher manueller Aufwand für Reporting und Planung. Zudem drohen Fehler, wenn Daten nicht konsistent gepflegt werden. Fondsmanager liefern zudem quartalsweise Kapitalabrufe und Ausschüttungen, ergänzt um NAV-Reports und Gebührenabrechnungen. Parallel dazu entstehen regelmässig Daten zu Bewertungsanpassungen oder Carry-Strukturen. Das bedeutet für Family Offices, Vermögensverwalter und Co. eine Vielzahl an PDFs, unterschiedliche Datenquellen und eine erhebliche manuelle Belastung bei der Konsolidierung. Gerade bei diversifizierten Portfolios mit mehreren Fonds und Vintage-Jahren wächst die Komplexität exponentiell. Ohne technische Unterstützung bleibt die Steuerung reaktiv statt strategisch.

Sie sprechen von «Transparenz statt Black Box». Was verändert sich für Investoren ganz praktisch, wenn Private Equity plötzlich vollständig sichtbar wird?
Kai Linde: Moderne Systeme bilden alle Transaktionsarten – Commitments, Calls, Distributions und Gebühren – strukturiert und automatisiert ab und verknüpfen sie direkt mit den Originaldokumenten. So entsteht eine «Single Source of Truth», die eine Echtzeit-Planung des Cashflows, eine Performance-Messung und ein Liquiditätsmanagement ermöglicht. Neben klassischen Kennzahlen wie Committed Capital, Paid-in Capital und NAV lassen sich heute auch Performancegrössen wie der Internal Rate of Return, der Total Value to Paid-in und weitere Kennzahlen automatisiert berechnen und visualisieren. Dadurch ist es möglich, die J-Kurve, also den zeitlichen Verlauf von Renditen, lückenlos nachzuvollziehen und den zukünftigen Kapitalbedarf zu modellieren. Das verspricht nicht nur einen Effizienzgewinn, sondern auch deutlich fundiertere Investmententscheidungen. Darüber hinaus bildet die Öffnung der Assetklasse die Basis, um neue Anlegergruppen zu erschliessen. Mit der seit 2024 geltenden ELTIF-2.0-Verordnung werden regulatorische Zugangsbarrieren gesenkt, wodurch Private Equity auch für semiprofessionelle Anleger interessanter wird.
Viele Family Offices arbeiten bei Private Equity noch mit Excel, PDFs und E-Mails. Warum hat sich daran so lange kaum etwas geändert?
Kai Linde: Ganz einfach: Es gab keine Lösung, die dieses Problem ganzheitlich angehen konnte. Natürlich gab es verschiedene Tools, auf die wir zurückgegriffen haben. Doch im Endeffekt flossen alle Informationen wieder in Excel zusammen, was ein mühseliger und leider auch fehleranfälliger Prozess war. Philipp Pötzl, Mathias Lindermeir und ich waren uns schnell einig: Das muss doch auch besser gehen!
Regulierung bezeichnen Sie bei QPLIX als Wettbewerbsvorteil. Wie kann Compliance plötzlich zum Pluspunkt werden?
Sener Arslan: Das regulatorische Umfeld im Wealth Management wird immer komplexer. Letztendlich müssen sich alle den hier gestellten Anforderungen unterordnen. Wer allerdings auf einen Technologiepartner setzt, der proaktiv handelt und notwendige Vorschriften frühzeitig berücksichtigt, kann sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern. Während sich andere noch mit der korrekten Umsetzung beschäftigen, sind diese Akteure bereits optimal aufgestellt und können sich auf die tatsächliche Wertschöpfung fokussieren.

Viele Vermögensverwalter arbeiten noch mit fragmentierten Systemen. Ab wann wird das aus Ihrer Sicht zu einem echten Geschäftsrisiko?
Sener Arslan: Die manuelle Erfassung, Abstimmung und Standardisierung von Informationen über verschiedene Depotbanken und Plattformen hinweg stellt im Bereich der Datenkonsolidierung und des Reportings einen erheblichen Effizienzverlust dar. Die Einbindung von Daten zu illiquiden Vermögenswerten, die meist aus externen Quellen stammen, erhöht die Komplexität zusätzlich und bindet wertvolle Ressourcen. All diese Probleme wirken sich erheblich auf die Margen und die operative Effizienz in einem ohnehin schwierigen Umfeld mit weiter zunehmendem Umsatzdruck aus.
Kai Linde: Plattformen mit strukturierten Datenmodellen, integrierter Buchhaltung und automatisierten Reports bilden die Grundlage, um das gesamte Anlageuniversum – von börsennotierten Aktien bis zu Private Placements – in einem einheitlichen operativen Rahmen zu verwalten. Einen Technologiepartner zu haben, der eine solche «Single Source of Truth» ermöglicht, ist heute essenziell für das Management komplexer Portfolios.
Alternative Anlagen wie Private Equity, Immobilien oder Infrastruktur gewinnen an Bedeutung. Sind die heutigen IT-Systeme der Branche darauf überhaupt vorbereitet?
Sener Arslan: Private Markets, Immobilien, Infrastruktur und digitale Assets gewinnen rasant an Bedeutung, sind jedoch häufig noch schlecht systemisch erfasst. Moderne Plattformen müssen deshalb spezialisierte Module zur Bewertung, Liquiditätssteuerung und Risikoeinordnung alternativer Anlagen bieten. Dabei werden NAV-Berechnungen, Fristen, Cashflows und Gebührenmodelle in Echtzeit in einer konsolidierten Sicht abgebildet. Gleichzeitig erwarten Anleger Portfolios, die sich an ihre persönlichen Ziele, Werte und Risikoprofile anpassen, von ESG-konformen Strategien bis zu thematischen Investments in Kombination mit traditionellen Assets. Entscheidend für Geschwindigkeit und Sicherheit ist die Fähigkeit, Daten aus mehreren Banken oder Drittquellen automatisiert zu erfassen, abzugleichen und in einheitliche Strukturen zu überführen. API-First-Architekturen ermöglichen die Anbindung von Trading-Plattformen, CRM-Systemen, Reporting-Engines oder RegTech-Lösungen, ohne dass dabei Kompromisse bei Sicherheit oder Performance eingegangen werden müssen.
«Im Wealth Management vollzieht sich ein Wandel hin zu einem stärker datengetriebenen, automatisierten und personalisierten Ansatz.»
Kai Linde, Co-Founder und CEO von QPLIX.
Künstliche Intelligenz ist ein grosses Schlagwort. Wo bringt KI im Portfoliomanagement heute bereits echten Mehrwert – und wo eher noch nicht?
Sener Arslan: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen beeinflussen das klassische Portfolio-Management, indem sie die Datenanalyse, die Überwachung der Compliance und die Portfolioanalyse automatisieren. Mithilfe von Predictive Analytics und Stimmungsanalyse-Tools können EAMs schnellere, datengestützte Entscheidungen treffen und gleichzeitig manuelle Eingriffe reduzieren. KI-gestützte Systeme können mittlerweile riesige Mengen unstrukturierter Daten verarbeiten und Informationen in jedem Format effizient erfassen.
Kai Linde: Durch die Übernahme routinemässiger und sich wiederholender Aufgaben durch Digitalisierung und KI werden Zeit und Ressourcen geschaffen. So können sich Berater auf das Wesentliche konzentrieren. Zuhören, analysieren und Vertrauen aufbauen. Ich bin der Meinung, dass diejenigen Akteure in Zukunft am erfolgreichsten sein werden, die erstklassige persönliche Beratung mit dem intelligenten Einsatz von Technologie verbinden können.
Sie sprechen von vorausschauender Steuerung statt reinem Reporting. Bedeutet das, dass Technologie zunehmend Anlageentscheidungen beeinflusst?
Kai Linde: Anlageentscheidungen sind facettenreich und müssen verschiedene Faktoren berücksichtigen, etwa regulatorische Rahmenbedingungen oder die individuellen Präferenzen des jeweiligen Mandanten. Technologie sollte daher immer als Enabler betrachtet werden, der Investment Managern die bestmögliche Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bietet.

Wenn Sie fünf Jahre nach vorne schauen: Wie wird sich die Arbeit von Vermögensverwaltern und Family Offices durch Technologie grundlegend verändern?
Kai Linde: Im Wealth Management vollzieht sich ein Wandel hin zu einem stärker datengetriebenen, automatisierten und personalisierten Ansatz. Dieser Wandel ist nicht nur technologisch bedingt, sondern spiegelt auch den Generationenwechsel unter unseren Kunden wider. Vermögensverwalter, die heute auf innovative Lösungen setzen, werden morgen bestens aufgestellt sein.
Sener Arslan: Künstliche Intelligenz, Automatisierung und cloudbasierte Technologien werden die Zukunft von PMS massgeblich prägen. Moderne PMS automatisieren die Datenanalyse, die Compliance-Überwachung und die Portfolioanpassung. Dadurch werden die Effizienz und die Qualität der Entscheidungen deutlich gesteigert. Cloud-Lösungen bieten Skalierbarkeit, Sicherheit und ortsunabhängigen Zugriff. Intuitive Benutzeroberflächen, Self-Service-Optionen und mobile Anwendungen verbessern zudem die Kundenerfahrung. Unternehmen, die diese Trends verstehen und technologische Innovationen aktiv nutzen, können nicht nur regulatorische und operative Herausforderungen meistern, sondern sich auch als zukunftsorientierte und verlässliche Partner im Vermögensverwaltungsmarkt positionieren.
Eine letzte Frage: Wie kamen Sie auf die Gründung von QPLIX?
Kai Linde: Aufgrund unseres Family-Office-Hintergrunds standen wir – meine Mitgründer Philipp, Mathias und ich – vor denselben Herausforderungen, die auch heute noch viele Kunden zu QPLIX führen. Die bestehenden Systeme in der Vermögensverwaltung sind zu fragmentiert, ineffizient und schlichtweg nicht mehr zeitgemäss. Wir fanden keine Plattform, die alle Assetklassen konsolidieren, Daten zuverlässig verarbeiten und Workflows optimieren konnte. Wie viele andere mussten auch wir auf Excel-Tabellen, Insellösungen und manuelle Prozesse zurückgreifen. Das erschwerte fundierte Investitionsentscheidungen enorm. Das war der Ausgangspunkt für die Gründung von QPLIX: Wir wollten diese Probleme aktiv lösen und eine neue Ära des Wealth Managements einläuten.
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Bildcredit: QPLIX