Overnight Power: Warum zwei KI-Unternehmer ihre Energie unter Sternen fanden
Karin Stephan und Herbert Bay haben das Buch Overnight Power geschrieben. Kein Burn-out, kein «Alles muss anders»-Moment. Der Auslöser für Overnight Power war Neugier – und die Frage, wie man den Startup-Rollercoaster weiterfährt, ohne dass Körper, Familie und Lebensziele bei der Geschwindigkeit «herausfallen».
The Business Class Magazin, Redaktion
«Beim Gründen unseres KI-Unternehmens wussten wir: Stress, Ungewissheit und 24/7-Verantwortung sind Teil des Deals. Wir wollten die Spannung, den Wahnsinn, die steilen Kurven – nur diesmal mit Sicherheitsbügel», sagt Karin Stephan. «Gleichzeitig sahen wir, wie schlecht das übliche Regenerationsmodell zu unserem Alltag passt: Sportblöcke, verlängerte Wochenenden, Detox, Retreats, Coaching. Alles sinnvoll, aber alles knabbert Zeit aus Tagen, die ohnehin überbucht und unvorhersehbar sind.»

Daraus entstanden zwei Leitfragen:
- Wie bleiben wir stabil, während wir Vollgas leben?
- Wie holen wir Abenteuer in den Alltag, statt es auf aufwendige Auszeiten zu verschieben?
Die Nacht, die alles veränderte
Herbert Bay ergänzt: «Eine Nacht im April 2021 begann wie viele: Kopf zu laut, Tag noch nicht fertig, obwohl es längst dunkel war. Also gingen wir raus – wie früher als Kinder – und schliefen spontan draussen, mit Matratze und Decke unter freiem Himmel. In der Dunkelheit sortiert sich der innere Lärm anders: Gedankenschleifen verlieren Tempo, der Körper schaltet über alle Sinne in einen neuen Modus. Am Morgen war die Energie spürbar anders – und unsere Tracker bestätigten es. Aus dieser einen Nacht wurde ein Experiment, aus dem Experiment eine feste Gewohnheit: Sternbaden.»

Sternbaden in einem Satz
Sternbaden bedeutet, nachts bewusst unter dem Himmel zu sein, mit allen Sinnen ins Erleben zu kommen und die eigenen Probleme in ein grösseres Ganzes einzubetten.
Die fünf Effekte, die wir am deutlichsten spüren
- Tieferer, verlässlicher Schlaf – weniger Druck rund ums «Schlafen müssen».
- Schnellere Stressregulation – Puls, Atmung, Anspannung fahren draussen oft rasch herunter.
- Mehr Innovationskraft – Perspektivwechsel statt Denkgefängnis, Ideen tauchen leichter auf.
- Mehr «Herrlichkeit im Kleinen» – klare Luft, frühes Licht, Staunen (Awe) werden wieder greifbar.
- Robustere Resilienz – Rückschläge wirken weniger final, das Vertrauen «wir kommen durch» wächst.
Für wen passt es – und wann nicht?
Besonders geeignet ist Sternbaden für Menschen in Verantwortung, deren Kopf abends nicht abschaltet; für alle, deren Tag bereits ausgereizt ist; und für Neugierige, die radikale Einfachheit ausprobieren und sich real «aussetzen» wollen (Dunkelheit, Geräusche, Weite, Temperatur).
Weniger geeignet in dieser Form ist es bei ernsthaften gesundheitlichen Risiken (Kälte/Temperaturwechsel), bei starken Ängsten oder Traumata rund um Dunkelheit bzw. Alleinsein – und für Menschen, die eine komplett kontrollierbare Lösung erwarten. Sternbaden ist kein Hack, sondern ein Feldversuch.
Häufige Anfängerfehler
- Es zum Leistungsprojekt machen («30 Nächte, dann bin ich neu»).
- Zu gross anfangen (Biwak statt Balkon).
- Basics unterschätzen (Isolation von unten, warme Füsse, Wetterschutz, Nacht-Toilette).
- Das Stressmuster mitnehmen (Screens, Mails, Social Media bis spät).
- Keine Brücke in den Alltag schlagen (nicht beobachten, wie sich Entscheidungen und Konflikte verändern).
Minimal-Setup
Sicherer Ort (Balkon/Terrasse/Garten), dicke Matte oder Matratze, Schlafsack/Decke, Kleidung im Zwiebellook; optional ein einfacher Wetterschutz. Für die erste Nacht reicht oft: Schlafzimmer ein paar Meter nach draussen und Wettercheck.
«Wenn wir nur eine Gewohnheit empfehlen dürften, würden wir diese: Nie schlafen gehen, ohne kurz zum Himmel zu schauen: ans offene Fenster oder vor die Tür, Kopf heben, drei ruhige Atemzüge. Und die Frage: Wofür hat sich dieser Tag gelohnt – und was darf mir die Nacht heute abnehmen?», so Karin Stephan.

Das Buch kann auch online hier erworben werden.