Weltrekord! 118 Flaschen. 60 Sekunden. Ein Säbel. Und ziemlich viel Pommery.
Am 23. August 2026 stellt Mirko Bozin in Neuchâtel einen neuen Weltrekord im Champagner-Sabrieren auf: Im Garten des Hôtel DuPeyrou sabriert der Neuenburger Zahnarzt 118 Flaschen Pommery in exakt 60 Sekunden.
Von Antje-Katrin Schaniel, Text und Bilder – The Business Class Magazin
Ich stehe wenige Meter daneben. Mit meiner Kamera. Mit ziemlich offenen Augen. Und mit der Erkenntnis, dass 60 Sekunden erstaunlich lang sein können.

THE QUIET BEFORE THE POP
Neuchâtel, Sonntagmorgen. Vor dem Hôtel DuPeyrou steht ein Tisch, der eigentlich kein Tisch mehr ist. 50 Meter. Darauf: Flasche an Flasche. Pommery. Insgesamt 166 Champagnerflaschen stehen bereit.

Das Ziel ist ebenso einfach zu erklären wie schwer zu begreifen: Mirko Bozin will innerhalb von nur einer Minute so viele Champagnerflaschen wie möglich sabrieren – und damit einen neuen Weltrekord aufstellen.

Der Mann, der das versuchen will, heisst Mirko Bozin. Er ist Zahnarzt. Was vermutlich zumindest erklärt, warum ihn Hälse beruflich nicht vollkommen aus der Ruhe bringen. Ich spreche vor dem Weltrekordversuch mit ihm. Und wer einen Mann erwartet, der gleich mit einem Säbel auf eine Armada Champagnerflaschen losgehen wird und deshalb vor Adrenalin kaum stillstehen kann, wird überrascht.
Denn hinter diesen 60 Sekunden steckt ungefähr ein Jahr Vorbereitung.
Technik.
Geschwindigkeit.
Abstände.
Bewegungsabläufe.
Material.
Und irgendwann die ziemlich verrückte Frage:
Wie schnell kann ein Mensch eigentlich werden?

CHAMPAGNER SABRIEREN: 3. 2. 1.
Dann läuft die Uhr.
Und plötzlich wird aus Theorie Geschwindigkeit.
Was danach passiert, lässt sich in Zahlen wesentlich leichter beschreiben als in Bildern.
118 Flaschen.
60 Sekunden.
1,97 Flaschen pro Sekunde.
Eine Flasche ungefähr alle 0,51 Sekunden.
Weltrekord.

Ich fotografiere, während vor mir Flaschenhälse durch die Luft fliegen. Es knallt. Es spritzt. Menschen halten vor Spannung den Atem an. Mirko bewegt sich an der schier endlosen Reihe Pommery entlang, während hinter ihm innerhalb von Sekunden das entsteht, wofür alle gekommen sind: kontrolliertes Chaos.

Und irgendwo zwischen dem ersten und dem 118. Flaschenhals merkt man, wie absurd Zeit sein kann. Eine Minute. Normalerweise nicht einmal genug, um morgens zu entscheiden, ob man noch liegen bleiben darf. Hier reicht sie für einen Weltrekord.

118 FLASCHEN POMMERY. EIN NEUER WELTREKORD.
Zwei Notare und zwei Zeitnehmer begleiten den Weltrekordversuch in Neuchâtel. Am Ende steht die Zahl fest:
118.
118 Champagnerflaschen, sabriert innerhalb von exakt 60 Sekunden. Ein neuer Weltrekord für Mirko Bozin. Doch vielleicht ist die Zahl allein gar nicht das Interessanteste an diesem Vormittag. Denn auf dem Tisch steht nicht irgendein Schaumwein. Dort steht Pommery.

Und damit wird die Geschichte plötzlich älter als alle Menschen, die an diesem Sonntag im Garten des Hôtel DuPeyrou stehen.

POMMERY, MADAME UND EINE REVOLUTION IM CHAMPAGNER
Reims, 1874. Madame Louise Pommery tut etwas, das vermutlich nachhaltiger war als jeder Weltrekord. Sie verändert den Geschmack einer ganzen Industrie.
Mit Pommery Nature 1874 schreibt das Champagnerhaus Geschichte und verbindet seinen Namen bis heute untrennbar mit dem Aufstieg des trockenen Brut-Champagners.

Mehr als 150 Jahre später stehen in Neuchâtel 160 Flaschen Pommery auf einem 50 Meter langen Tisch. Die Verbindung ist nicht zufällig.
150 Flaschen waren ursprünglich das erklärte Ziel von Mirko Bozin – eine Zahl mit einer charmanten historischen Referenz an die Geschichte des Brut bei Pommery.
Es wurden 118. Vielleicht ist das sogar die bessere Zahl. Denn 118 ist keine Marketingzahl. Es ist die Zahl, die ein Mensch in 60 Sekunden tatsächlich geschafft hat.

HOW FAST CAN LUXURY BE?
Champagner ist normalerweise ein Produkt der Zeit.
Trauben wachsen nicht schneller, weil wir es eilig haben.
Wein reift nicht schneller, weil ein Termin im Kalender steht.
Und grosse Champagnerhäuser erzählen ihre Geschichte nicht in Sekunden, sondern in Generationen.

An diesem Sonntag geschieht das Gegenteil.
Jahre von Handwerk, Geschichte und Geduld treffen auf exakt 60 Sekunden.
Das könnte man für einen Widerspruch halten.

Vielleicht ist es aber genau deshalb so faszinierend.
Denn Luxus lebt nicht ausschliesslich von Ruhe.
Manchmal darf er laut sein.
Manchmal darf er vollkommen unvernünftig sein.
Und manchmal darf er mit knapp zwei Flaschen pro Sekunde durch einen Garten in Neuchâtel fliegen.

WELTREKORD MIT EINER ZWEITEN GESCHICHTE: FREE GO
Hinter der spektakulären Oberfläche gibt es allerdings noch eine zweite Geschichte. Der Sabrage-Weltrekord von Mirko Bozin unterstützt Free Go, eine Organisation, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert.

Flaschen konnten im Vorfeld für CHF 125 gesponsert werden; mit dem Event wird die Arbeit der Organisation unterstützt. Damit bekommt eine Veranstaltung, die auf den ersten Blick nach maximalem Überfluss aussieht, eine unerwartete zweite Ebene.

Champagner.
Luxus.
166 Flaschen.
Und ausgerechnet daraus entsteht Unterstützung für den Kampf gegen Verschwendung.

Das gefällt mir.
Vielleicht gerade, weil es nicht ganz widerspruchsfrei ist.
Gute Geschichten sind es selten.

AFTER 60 SECONDS
Und dann ist es vorbei.
Die Uhr steht.
Auf dem Tisch stehen die Überlebenden.
Auf dem Boden liegen die Korken – die Spuren einer Minute, die hier niemand so schnell vergessen dürfte.

Aus Sicherheitsgründen waren sämtliche Korken an Schnüren befestigt – damit nach dem grossen Plopp weder Korken noch Scherben unkontrolliert durch den Raum fliegen. Und ganz nebenbei wurden sie so zum perfekten Andenken: Nach dem Rekord konnten die Korken als kleines Stück Weltrekordgeschichte erworben werden.

Und Mirko Bozin?
Hat gerade einen Weltrekord aufgestellt.
118 Flaschen Pommery in 60 Sekunden.
Ich schaue durch meine Kamera auf das, was davon übrig geblieben ist, und denke:
Es gibt wahrscheinlich elegantere Arten, eine Flasche Champagner zu öffnen.

Aber an diesem Sonntag in Neuchâtel hätte ich bei keiner anderen dabei sein wollen.
118 bottles.
60 seconds.
One world record.
And quite a lot of Pommery.

About Senza
Antje-Katrin Schaniel ist eine Schweizer Autorin, Fotografin und Content Creatorin und Social Storytellerin aus Zürich; ursprünglich aus Graubünden. Unter dem Namen @senzcamedi teilt sie auf Instagram seit 2018 Inhalte rund um Luxury Travel, gehobene Gastronomie, Fashion, Beauty, Drives und Lifestyle. Ihr Fokus liegt darauf, besondere Orte, Kulinarik und Erlebnisse visuell hochwertig und atmosphärisch einzufangen. Senza positioniert sich im Premium-Segment von Instagram – mit einem editorialen, fast magazinartigen Ansatz. Ihre Inhalte wirken kuratiert, ruhig und hochwertig, was sie von klassischen, stärker werblichen Profilen stark unterscheidet.

Senzas Stil folgt dem Prinzip «Luxury isn’t loud» – sie inszeniert Luxus subtil, emotional und über Atmosphäre statt über reine Statussymbole. Die ausgebildete Lokführerin versteht sich nicht als Influencerin, sondern als Geschichtenerzählerin, die Reisen, Orte und Erlebnisse in narrative Bilderwelten übersetzt. Neben High-End-Erlebnissen zeigt sie bewusst auch Natur, Tiere und ruhige Momente – ein Spannungsfeld zwischen Eleganz und Erdung.
Mit «SENZA» – und bald dem Magazin «DONNA Senza» baut die Chefredaktorin eine klare Markenidentität auf, die für ein Gefühl von Stil, Ruhe und bewusstem Genuss steht – weniger Konsum, mehr Erlebnis. Ihre Meinung vertritt sie pointiert – und stets mit klarer Haltung.