Dubai war gestern noch ein Traum
Dubai war gestern noch ein Traum. Und heute plötzlich ein Zweifel. Was sagt das eigentlich über uns? Es ist nicht Dubai, das sich gerade verändert. Es sind wir.
Text und Photos: Antje-Katrin Schaniel
Noch vor wenigen Monaten war der Mittlere Osten der Ort, an dem alles stattfand. Nicht vielleicht. Nicht am Rande. Sondern ganz klar. Dubai war mehr als eine Destination. Es war ein Gefühl. Ein Versprechen.

Abu Dhabi stand für Kultur auf Weltklasse-Niveau. Saudi-Arabien für diese rohe, fast magnetische Zukunft, die man nicht ignorieren konnte. Alle waren dort. Influencer. Marken. Medien. Entscheider. Und vor allem: Alle haben es gefeiert. Gefiltert. Kuratiert. Erzählt.

Und jetzt?
Jetzt beobachten wir eine neue Bewegung. Leiser. Vorsichtiger. Fast distanziert. Flüge werden hinterfragt. Reisen verschoben. Meinungen kippen. Und ich stelle mir eine Frage, die unangenehm ist:

Warum eigentlich?
Wer macht eigentlich unsere Meinung? Sind es wir? Oder sind es die, die die Lautstärke bestimmen? Politik. Schlagzeilen. globale Konflikte. Namen, die plötzlich alles dominieren.

Und wir?
Wir reagieren. Schnell. Emotional. Oft ohne zu hinterfragen, ob das, was dort passiert, wirklich unser tägliches Handeln definieren sollte. Müssen wir jede geopolitische Bewegung sofort in unser Reiseverhalten übersetzen? Oder haben wir verlernt, Dinge parallel zu denken?

Die unbequeme Wahrheit: Wir folgen. Nicht immer bewusst. Aber konsequent. Gestern war es der Hype. Heute ist es die Vorsicht. Und wir bewegen uns mit. Influencer nennen es Inspiration. Medien nennen es Information. Aber was passiert, wenn beides zur gleichen Richtung führt?

Dann entsteht keine Meinung. Dann entsteht Strömung. Und genau hier beginnt mein Problem. Ich bin weder klassische Influencerin, noch möchte ich eine Journalistin sein, die nur wiedergibt, was gerade gesagt wird.

Ich reise. Viel. Und ich höre zu. Ich spreche mit Menschen vor Ort. Nicht nur mit denen, die sichtbar sind. Sondern mit denen, die dieses System tragen. Und genau dort beginnt eine Realität, die in unseren Diskussionen oft fehlt. Denn während wir diskutieren, leben andere davon.

Der Fahrer, der dich vom Flughafen abholt. Der Kellner, der dir dein Abendessen serviert. Der Mensch, der dir spät abends dein Essen bringt. Oft aus Indien. Aus Bangladesch. Aus Pakistan. Menschen, die nicht Teil unserer Debatten sind. Aber Teil unserer Entscheidungen.

Für uns ist es eine Reise. Für sie ist es ein Einkommen. Für uns ist es ein Trend. Für sie ist es ein Alltag. Genau hier wird es leise unbequem. Denn wenn wir kollektiv entscheiden, dass ein Ort «gerade nicht mehr passt», dann ist das für uns vielleicht nur ein anderes Reiseziel.

Für viele andere ist es deutlich mehr. Corona hat uns nichts gelehrt — ausser, wie schnell wir zurückkehren. Wir wollten bewusster werden. Langsamer. Nachhaltiger. Und was ist passiert?
Wir sind zurückgekommen. Schneller als je zuvor.

Dubai war einer der ersten Orte, der wieder funktioniert hat. Und plötzlich waren wieder alle da. Nicht, weil sich alles verändert hatte. Sondern weil unser Bedürfnis nach Bewegung stärker war als jede Erkenntnis.
Also nochmal: Warum zweifeln wir jetzt? Weil es notwendig ist? Oder weil es laut ist? Weil wir reflektieren? Oder weil wir reagieren?
Mein persönlicher Blick
Ich habe Freunde in Dubai. In Saudi-Arabien. In der Region. Menschen, mit denen ich mich regelmässig austausche. Und was ich sehe, ist keine Schlagzeile.
Es ist Alltag.
Es ist Leben.
Es ist Entwicklung.
Es ist Hoffnung.

Und ich merke, wie gross die Lücke ist zwischen dem, was berichtet wird — und dem, was tatsächlich gelebt wird. Ich glaube nicht an einfache Antworten. Ich glaube nicht daran, Dinge schönzureden. Aber ich glaube auch nicht daran, sie zu vereinfachen.
Der Mittlere Osten ist kein Trend. Und er ist auch kein kurzfristiges Kapitel. Er ist Teil einer globalen Realität, die wir nicht einfach ein- und ausschalten können, je nachdem, wie sich die Nachrichtenlage entwickelt.

Und ja — ich sage das bewusst. Ich glaube an diese Region, weil ich sie erlebt habe. Weil ich Menschen dort kenne. Weil ich weiss, dass hinter jeder Schlagzeile ein Leben steht. Und weil ich glaube, dass wir uns zu oft von Lautstärke leiten lassen — anstatt von Verständnis.
Die eigentliche Frage ist nicht Dubai. Die eigentliche Frage bist du. Wer beeinflusst dich? Worauf basiert deine Entscheidung? Und wie viel davon ist wirklich deine eigene?
Vielleicht geht es nicht darum, ob wir weiterhin in den Mittleren Osten reisen sollten. Vielleicht geht es darum, ob wir endlich lernen, selbst zu entscheiden — anstatt nur zu reagieren.
Und vielleicht geht es auch darum, sich daran zu erinnern, dass hinter jedem Ort nicht nur ein Bild steht. Sondern Menschen – vielleicht ist genau das der Punkt, den wir wieder lernen müssen zu sehen.

ABOUT SENZA
Antje-Katrin Schaniel ist eine Schweizer Autorin, Fotografin und Content Creatorin und Social Storytellerin aus Zürich; ursprünglich aus Graubünden. Unter dem Namen @senzcamedi teilt sie auf Instagram seit 2018 Inhalte rund um Luxury Travel, gehobene Gastronomie, Fashion, Beauty, Drives und Lifestyle. Ihr Fokus liegt darauf, besondere Orte, Kulinarik und Erlebnisse visuell hochwertig und atmosphärisch einzufangen. Senza positioniert sich im Premium-Segment von Instagram – mit einem editorialen, fast magazinartigen Ansatz. Ihre Inhalte wirken kuratiert, ruhig und hochwertig, was sie von klassischen, stärker werblichen Profilen stark unterscheidet.

Senzas Stil folgt dem Prinzip «Luxury isn’t loud» – sie inszeniert Luxus subtil, emotional und über Atmosphäre statt über reine Statussymbole. Die ausgebildete Lokführerin versteht sich nicht als Influencerin, sondern als Geschichtenerzählerin, die Reisen, Orte und Erlebnisse in narrative Bilderwelten übersetzt. Neben High-End-Erlebnissen zeigt sie bewusst auch Natur, Tiere und ruhige Momente – ein Spannungsfeld zwischen Eleganz und Erdung.

Mit «SENZA» – und bald dem Magazin «DONNA Senza» baut die Chefredaktorin eine klare Markenidentität auf, die für ein Gefühl von Stil, Ruhe und bewusstem Genuss steht – weniger Konsum, mehr Erlebnis. Ihre Meinung vertritt sie pointiert – und stets mit klarer Haltung.
Alle Bilder Copyright: Antje-Katrin Schaniel x @senzacamedi