Der Herr der Wildbienen
Summ, summ, summ. Wir haben Tom Strobl von Wildbiene + Partner getroffen. Weil die kleinen und fleissigen Helferlein für unser Dasein essentiell sind. Und auch, weil der kleinen Wildbiene endlich mal die Ehr gebührt, die sie sich mehr als verdient hat.
Herr Stobl, Ihr Unternehmen vertreibt BeeHomes – ein Zuhause für Wildbienen. Wieso sind Wildbienen so wichtig für die Natur und Artenvielfalt?
Wildbienen – sowie andere Blüten bestäubende Insekten – spielen im Ökosystem eine besonders wichtige Rolle. Rund 80 Prozent der Pflanzen, darunter auch Gemüse und Obst, sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Die Bienen leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, aber auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Wie funktioniert das Wildbienenhotel im Garten oder Balkon?
Unsere hochwertigen und lokal produzierten BeeHomes bieten den Wildbienen einen idealen Platz, um ihre Brut aufzuziehen. Zusätzlich bekommt man bei uns im Frühling eine Startpopulation von 25 Mauerbienen, welche dann zu Hause schlüpfen, sich im Häuschen niederlassen und mit dem Bestäuben der Umgebung beginnen. Aber auch im Sommer gibt es etwa mit der Blattschneiderbiene oder der Wollbiene verschiedene Wildbienen, welche das BeeHome spontan bewohnen können.
Hauptsaison ist das Frühjahr, die Wildbienen schlüpfen etwa bis im Juni. Was passiert jetzt im Herbst mit den Bienen?
Das ist richtig, die Hauptflugzeit der Gehörnten und der Roten Mauerbiene ist der Frühling. Der Nachwuchs befindet sich nun hinter den verschlossenen Röhrchen und entwickelt sich vom Ei zur Larve und bis zum September zur fertig ausgebildeten Biene. Die Bienen überwintern in ihrem Kokon und beissen sich erst wieder heraus, wenn der nächste Frühling vor der Tür steht.

Sie bieten eine Wildbienen-Pflege an. Welches sind die Vorteile dieser Dienstleistung?
Mit der Wildbienen-Pflege können wir sicherstellen, dass die Parasitierung der Mauerbienen nicht überhandnimmt und wir die Population gesund halten. Zudem erhält der BeeHome-Besitzer spannende Infos bezüglich des Vermehrungs-Erfolges, ob und welche Parasiten präsent sind oder welche andere Wildbienenarten sich im Häuschen niedergelassen haben. Dies alles kann dann auf der Webseite eingesehen werden. Im letzten Jahr konnten wir fast 20’000 BeeHomes auf diese Art pflegen.
Welche Erfahrungen machen Sie bezüglich des Nist- und Vermehrungserfolges?
Das Wetter hat einen enormen Einfluss auf diesen Erfolg. Wenn es sehr kalt ist oder es mitten in der Obstblüte einen Wintereinbruch gibt, dann können sich die Bienen kaum vermehren oder die Population geht sogar zurück. In einem guten Jahr, wie beispielsweise im Jahr 2022, kann sich die Population gerne mal verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Was passiert, wenn man auf den Pflegedienst im Herbst verzichtet?
Mit der Zeit wird der Parasitendruck so stark zunehmen, dass die Mauerbienenpopulation zurückgehen wird oder sogar komplett zusammenbricht.
Den Vermehrungserfolg erfassen Sie seit 2016 in einer Wildbienen-Statistik. Wie sieht der Zuwachs der Wildbienenpopulation aus?
Im Durchschnitt können wir davon ausgehen, dass die Population jedes Jahr um etwa 20 Prozent wächst. Grundsätzlich ist der Erfolg stark vom Wetter und der Umgebung, die die Wildbienen vorfinden, abhängig. Durch die Schaffung von Blühflächen in Siedlungsgebieten und ein Angebot an einheimischen Pflanzen auf dem Balkon in dem Garten kann diese Umgebung verbessert werden. Die grösste Verbreitung haben wir aktuell im Deutschschweizer Raum, weshalb wir in der Romandie noch Nachholbedarf sehen.

Viele Menschen assoziieren Bienen mit Bienenstichen, mit summenden Insekten, die sich besonders fürs Süsses interessieren…?
Das ist richtig. Wir wissen einerseits, dass Bienen unabkömmlich sind – andererseits wollen wir sie aber doch nicht in unserem Garten haben, weil sie uns stechen könnten. Dies liegt vor allem an den Erfahrungen mit Honigbienen, die Wildbienen sind allerdings viel unauffälliger unterwegs. An unseren BeeHoomes sind höchstens ein Dutzend Bienen anzutreffen, die weder stechen, noch von Süssem angezogen werden. Sie kümmern sich überhaupt nicht um uns Menschen, sondern gehen ihrer Arbeit nach und bestäuben unsere Pflanzenwelt.

Wildbiene + Partner besteht seit 10 Jahren. Welche Erfolge haben Sie bisher erreicht? Und welche Zukunftspläne haben Sie?
Wir haben es geschafft, in den letzten 10 Jahren über 100’000 Menschen in den Bann unserer Wildbienen ziehen und sie dafür zu begeistern, Lebensraum für Wildbienen zu schaffen. In den nächsten Jahren möchten wir einen Fokus auf Unternehmen setzen, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, Biodiversität einfacher und effizienter zu fördern. Dafür entwickeln wir zurzeit ein digitales Gerät, das helfen soll, den Effekt der Biodiversitätsförderung messbar zu machen. Zusammen mit unserer Community möchten wir in Zukunft möglichst viele Daten generieren, die helfen, unsere Natur besser verstehen und fördern zu können.
