Der Erfolgsfaktor beim Personal Branding: Eigene Klarheit
In einer zunehmend digitalen und schnelllebigen Geschäftswelt wird Authentizität zur wichtigsten Währung für Führungskräfte und Unternehmer:innen. Dr. Karina Audrey Jeker, Autorin des Buches «Ganz einfach du», erklärt, warum erfolgreiches Personal Branding weit über Social Media hinausgeht, mit welchen unsichtbaren Hürden besonders Frauen auf dem Karriereweg kämpfen und wie der Aufbau einer glaubwürdigen persönlichen Marke gelingt.
The Business Class Magazin, mm
Frau Dr. Karina Jeker, Ihr Buch trägt den Titel «Ganz einfach du». Warum ist gerade Authentizität heute ein strategischer Erfolgsfaktor im Business?
In einer Welt, die immer digitaler wird, werden Echtheit, Vertrauen und zwischenmenschliche Beziehungen zu wichtigen Kompetenzen. Menschen, die klar für etwas stehen, haben nachweislich eine höhere Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit. Das ist eine wertvolle Währung in Zeiten, in denen es schwierig geworden ist, verlässliche Informationen von KI-generierter Berichterstattung, Übertreibungen oder leeren Versprechen zu unterscheiden. Authentizität bedeutet dabei nicht, dass wir alles von uns preisgeben, sondern dass wir zeigen, wer wir wirklich sind, und für die Dinge einstehen, die uns wichtig sind. Das schafft Orientierung und sorgt damit für eine neue Form der Verlässlichkeit, und genau darum geht es in meinem Buch.
Viele Führungskräfte wissen, dass Sichtbarkeit wichtig ist, empfinden sie aber oft als unangenehm. Wo beginnt authentisches Personal Branding und wo hört reines Selbstmarketing auf?
Authentisches Personal Branding beginnt genau an dem Punkt, an dem Sie erkennen, wer Sie sind, was Sie antreibt und welche Wirkung Sie erzielen möchten. Es geht darum, eine Positionierung im Einklang mit Ihren Werten, Fähigkeiten und Talenten zu finden. Sie müssen eine Form der Sichtbarkeit finden, die zu Ihnen passt. Das hat meistens wenig damit zu tun, allgegenwärtig zu sein, sondern vielmehr damit, in der eigenen Zielgruppe die relevanten Bedürfnisse und Emotionen zu adressieren. Reines Selbstmarketing ist hingegen irreführend: Es geht nicht darum, sich wichtiger als andere zu nehmen oder sich über sie zu stellen. Wahres Personal Branding bedeutet, den Menschen im beruflichen und privaten Umfeld mit Echtheit zu begegnen und sich selbst treu zu bleiben.

Sie verbinden in Ihrem Buch Markenführung, Psychologie und Persönlichkeitscoaching. Was können Personen von erfolgreichen Produktmarken für die eigene Positionierung lernen?
Der Aufbau starker Marken folgt einem klaren Prozess, bei dem nichts dem Zufall überlassen wird. Ich zeige in meinem Buch mit dem Drei-Schritte-Framework Brand.YOU®, dass wir unsere eigene Marke genauso systematisch aufbauen können. Wie erfolgreiche Produktmarken müssen wir uns überlegen, wie wir in unserer Zielgruppe wirken möchten und welches konkrete Bedürfnis wir abdecken können. Es gelingt starken Marken, mit einer auf Emotionen aufbauenden «Value Proposition» zu überzeugen und nicht, indem die «Pain Points» der Zielgruppen ignoriert werden. Personal Branding ist letztlich Fleissarbeit, denn der Prozess erfordert zwingend, dass wir uns mit den richtigen Fragen zu uns selbst auseinandersetzen.
Personal Branding wird oft mit Social Media gleichgesetzt. Warum greift diese Sicht zu kurz?
Wo kämen wir hin, wenn Personal Branding nur Social Media wäre! Social Media ist nichts weiter als ein möglicher Kommunikationskanal, auf dem unsere Zielgruppe unterwegs ist. Bevor Sie überhaupt über Ihre Kommunikation nachdenken, müssen Sie Ihre Hausaufgaben machen. Das beginnt bei der ehrlichen Auseinandersetzung mit sich selbst und einem «Reality-Check» durch Feedback von aussen. Ein typischer Fehler ist es, einfach ziellos drauflos zu reden, ohne sich zu fragen: Wo möchte ich sichtbar sein, warum und wem soll das dienen?
«Eigene Klarheit sorgt für Klarheit im Aussen, und das gibt Sicherheit.»
Dr. Karina Audrey Jeker, Autorin des Buches «Ganz einfach du»
Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang die Wahl der richtigen Kanäle? Können Sie das am Beispiel Ihrer eigenen Buchvermarktung illustrieren?
Sie müssen mit Ihrer Kommunikation zwingend dort sein, wo sich Ihre Zielgruppe informiert. Wenn ich beispielsweise mit meinem Buch Menschen ansprechen möchte, die möglicherweise darunter leiden, nicht sichtbar genug zu sein, und deshalb mit ihrer Karriere nicht vorwärtskommen, dann muss ich das adressieren. Ich muss im Vorfeld genau wissen, ob sich diese Menschen auf LinkedIn bewegen und welche Suchbegriffe sie auf Google eingeben.
Sie coachen auch weibliche Führungskräfte. Fällt es Frauen grundsätzlich schwerer, sich selbst zu vermarkten?
Ja, das hat stark mit ihrer weit verbreiteten Prägung zu tun, sich eher um andere zu kümmern und nicht zu laut aufzutreten. Frauen empfinden es häufiger als unangenehm, über ihre eigenen Erfolge zu sprechen und glauben oft fälschlicherweise, dass gute Arbeit ganz von allein für sich spricht. Hinzu kommen unsichtbare Vorurteile: Frauen werden im Business kritischer beäugt als Männer. Verlangen sie mehr Lohn, gelten sie schnell als zu forsch, während bei Männern dasselbe Verhalten als karriereorientiert bewertet wird. Ausserdem ist es noch weit verbreitet, dass Männer nach ihrem Potenzial beurteilt werden, Frauen hingegen primär nach ihrer bisherigen Leistung. Ich versuche deshalb aufzuzeigen, wie man sich als Frau wirksam im Unternehmen positioniert, sozusagen als Weg aus dieser Sackgasse. Dieser führt über klare Ziele und die eigene Authentizität.
Welche innere Arbeit ist nötig, bevor die eigene Marke nach aussen wirken kann?
Das ist eine ganz essenzielle Frage. Ich kann Ihnen die beste Schritt-für-Schritt-Anleitung an die Hand geben, aber wenn Sie im Grunde Ihres Herzens nicht an sich glauben, keine Risiken wagen und sich nicht weiterentwickeln möchten, werden Sie nicht erfolgreich sein. Wir brauchen einen gewissen persönlichen Reifegrad und einen entspannten Umgang mit unseren Gedanken. Wenn die innere Stimme Ihnen ständig einredet, dass Gefahren lauern oder Sie etwas nicht können, wird es sehr schwer. Es ist wichtig zu lernen, diese Gedanken in eine positivere Richtung zu lenken, die uns mehr dient.
Wie ist es Ihnen in Ihrer eigenen Karriere ergangen?
Personal Branding ist kein Schönwetter-Szenario, es geht um Echtheit und gelebte Überzeugungen. Ich musste lernen, mir selbst zu vertrauen und auch mal Nein zu sagen. Sichtbarkeit ist harte Arbeit und auch starke Marken werden nicht von heute auf morgen sichtbar. Für Menschen wie mich, die gerne neue Ideen entwickeln und ein breites Wissen zu verschiedenen Fachthemen haben, ist das nicht einfach. Bis heute ist es meine grösste Herausforderung, mich auf ein paar wenige Themen zu begrenzen, was für eine differenzierte Positionierung jedoch zwingend notwendig ist.

In Zeiten von Informationsflut und permanentem Wandel: Wie schaffen es Unternehmer:innen und Führungskräfte, relevant zu bleiben, ohne sich ständig neu erfinden zu müssen?
Wir bleiben relevant, solange wir unserer Zielgruppe das geben, was sie braucht. Dafür muss man sich nicht permanent neu erfinden. Mitarbeitende suchen oft einfach Orientierung, Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Diese Aspekte vermitteln Sie durch eine authentische Marke und greifbare Argumente. Eigene Klarheit sorgt für Klarheit im Aussen, und das gibt Sicherheit. Den Unterschied macht am Ende, ob Sie in der Lage sind, Menschen zu begeistern und ihre Probleme wirklich zu lösen.
Welche erste praktische Übung empfehlen Sie Unternehmer:innen und Führungskräften, die ab morgen ihre Marke bewusst aufbauen möchten?
Setzen Sie sich differenziert mit Ihrer Markenidentität auseinander: Welche Talente, Fähigkeiten und Erfahrungen haben Ihre bisherige Karriere geprägt und was davon nehmen Sie in die berufliche Zukunft mit? Schreiben Sie ganz konkret drei Themen auf, für die Sie stehen möchten. Danach holen Sie sich mindestens drei Rückmeldungen aus Ihrem beruflichen Umfeld ein, wozu auch ehemalige Kolleginnen und Kollegen zählen. Es ist erstaunlich, wie gut sie sich an die Zusammenarbeit erinnern können. Das ist unfassbar wertvoll, um die eigene Selbsteinschätzung richtig einzuordnen.
Über das Buch «Ganz einfach du»: Authentisches Personal Branding
In einer Welt, die von Reizüberflutungen geprägt ist, wird die eigene Personenmarke immer wichtiger. Die renommierte Marketing-Expertin Dr. Karina Audrey Jeker zeigt in ihrem neuen Buch «Ganz einfach du», wie authentische Selbstpräsentation zu einer stärkeren und überzeugenderen Wirkung führt.
Angelehnt an die Erfolgsprinzipien starker Produktmarken führt das praxisnahe Branding-Tool von der Markenidentität über die Positionierung bis zur klaren Kommunikation. Das Buch beleuchtet essenzielle Begleitthemen wie Resilienz, Selbststeuerung sowie Zeit- und Mind-Management. Jeker skizziert eindrücklich, wie sich insbesondere Frauen erfolgreich im Unternehmen positionieren und ihre Erfolge sichtbarer machen können. «Personal Branding verlangt Mut, Authentizität und das Erzählen der eigenen Geschichte, ohne Perfektion oder Inszenierung.», gibt Jeker mit auf den Weg.
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